Lehnert Schroth ist eine speziell für Skoliosen, Rückgratverkrümmungen, Haltungsverfall und sämtlichen Fehlhaltungen entwickelte Rückenschule. Hierbei wird aus einem maximalen Korrekturaufbau der Wirbelsäulenabschnitte unter maximaler Streckung der Wirbelsäule eine Muskelkräftigung und Stabilisation der neuen Wirbelsäulenstellung angestrebt.
Dieses Konzept der Physiotherapie wurde von Katharina Schroth, geborene Bauer (* 22. Februar 1894 in Dresden; † 19. Februar 1985 in Bad Sobernheim), die selbst an einer Skoliose erkrankt war, entwickelt. Neu war einerseits die sogenannte Drehwinkelatmung als Verstärker für die Wirbelsäulenkorrektur über die Rippen, andererseits auch das Ziel, in die Haltungsregulation über das Haltungsempfinden korrigierend einzugreifen.
Ein wenig Theorie: Unsere Wirbelsäule ist in Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule eingeteilt.
Sie hat natürliche (von der Seite betrachtet) Krümmungen
- HWS nach vorn
- BWS nach hinten
- LWS wieder nach vorn
Sind diese Krümmungen vergrößert liegen Diagnosen wie Haltungsverfall, Rundrücken oder Hohlkreuz nahe. Kommt nun eine seitliche Verbiegung dazu spricht man ab 10 Grad von einer Skoliose. Mit der Seitverbiegung der Wirbelsäule verdrehen sich auch die einzelnen Wirbelkörper in sich selbst. Wenn wir die Wirbelsäule in drei übereinanderstehende rechteckige Blöcke einteilen, haben wir:
- Beckengürtel und LWS
- Rippenkorb und BWS
- Schultergürtel und HWS
Diese drei Blöcke sind bei der Skoliose keilförmig nach hinten und zur Seite verschoben, zusätzlich in sich verdreht. Die Wirbelsäule nimmt durch ihre direkte Verbindung an diese drei Blöcke Schultern, Rippen und Becken in ihre Verdrehung mit sich. Hierdurch kommt es zum typischen Bild der Skoliose. Es entstehen Erhebungen und Vertiefungen. Die endgültige Diagnose wird aber erst durch ein Röntgenbild gesichert.
Bei den physiotherapeutischen Übungen werden die drei Teile mit Hilfe der Muskeln wieder in die Mitte geschoben.
Zusätzlich arbeiten wir von INNEN her mit dem Atem: Die sogenannte Dreh-Winkel-Atmung. Hierzu werden die Rippen als Hebel benutzt um die Wirbelsäule zu entdrehen, um die Erhebungen und Vertiefungen wieder auszugleichen.
Der Erfolg dieser krankengymnastischen Behandlungsform hängt aber entscheidend auch von der Dauer und Intensität der täglichen Übungen zuhause ab. Zu bedenken gilt: Die meisten Skoliosen (90%) sind „idiopatisch“, d.h. es gibt keine Ursache!
Nachzuhalten ist nicht, wann, aber dass es im Verlauf des Wachstums zu skoliotischen Schüben kommen kann, d.h. dass diese sich in ihrer Krümmung verstärken. Kommt es zur Verschlimmerung gibt es, ab 20 Grad Krümmung, die Möglichkeit einer Korsettversorgung und einer gezielten stationären Rehabilitation. Die Schübe sind aber umso besser zu kontrollieren, je früher die Skoliose erkannt und behandelt wird.
Eine Skoliose muss nicht unbedingt Schmerzen machen. Zur Entstehung von Schmerzen kommen auch noch andere Faktoren hinzu.
Die Lehnert Schroth Behandlung ist selbstverständlich auch für Erwachsene sinnvoll. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht, denn es ist nie zu spät etwas für seine Haltung zu tun.
